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Guatemala – 1

Unsere Route durch Guatemala: El Remate – Flores – Sayaxché – Raxruyá – Nähe Rio Dolores/El Refugio – Cobán 

25. Juni 2018
Der Grenzübertritt in unser 22. Reiseland Guatemala erfolgt erfreulicherweise ganz problemlos, wir erhalten den Stempel für 90 Tage Aufenthalt in diesen 4 Staaten: Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua. Ab jetzt dürfen wir wieder spanisch reden!!!

Ansonsten ändert sich erst einmal wenig, zu Mittag teilen wir uns Hühnchen mit Reis, es ist heiß, hügelig und grün wie gehabt – nur die Autofahrer lassen es hier viel ruhiger angehen. Spät erreichen wir El Remate, ein hässliches Straßendorf am idyllischen “Lago Petén Itzá”, holen uns 6 leckere Tacos für 2 € und gehen früh schlafen.

Am nächsten Morgen klingelt uns der Wecker um 4:45 Uhr aus dem Schlaf, wir hatten gestern noch 2 Fahrscheine für die Fahrt mit dem Collectivo zu den Ruinen nach Tikal gekauft. Schlaftrunken hören wir um 5:20 Uhr ein energisches Gehupe vor dem Hotel – oje, das Sammeltaxi ist auch noch 10 Minuten zu früh da – völlig untypisch für Zentralamerika!

Tikal ist eine 20 km tief im Regenwald gelegene, antike Stadt der Maya. Wir erkunden das beeindruckend große Urwaldgelände als einer der ersten Touristen heute und genießen Dschungelfeeling pur! Exotische Vogelstimmen klingen durch den Wald und das Geschrei der Brüllaffen hallt weithin. Michel gelingt es sogar, diesen Tukan zu erwischen …

Nach einem längeren Fußmarsch erreichen wir den Hauptplatz:
Templo del Gran Jaguar

Gran Plaza

Templo de las Máscaras – Gran Plaza – Templo del Gran Jaguar (v.l.)

Von den Treppen des Templo de la Serpiente (Schlangentempel) …

… entstehen die folgenden 2 Fotos, die einen guten Überblick über die Ausmaße und Lage Tikals geben:

Im Hintergrund die Gran Plaza mit den 2 Stufentempeln.

Auf den Dschungelpfaden passieren wir auch einige, völlig bewachsene Hügel – wüssten wir nicht, dass es sich hier um noch nicht wieder freigelegte Pyramiden handelt, würden wir gar nicht merken, neben welch’ geschichtsträchtigen Strukturen wir hier so wandeln.

Hier seht ihr hoffentlich, wie steil mancher Aufstieg wäre …

… Templo V wurde gerade renoviert, ist aber nicht begehbar.

Nach soviel Sightseeing sind wir natürlich hungrig und genießen zurück in El Remate im Caffee Italiano den schönen Seeblick …

… und lecker Brownies.

Tags drauf um 8:00 Uhr morgens fallen wir gleich wieder im selben Café ein: wie wir glauben zum WM-Fußballmatch Deutschland vs. Südkorea, übertragen wird aber einzig Mexiko vs. Schweden. Ups – damit hatten wir nicht gerechnet – es gibt nicht einmal eine Konferenzschaltung! Michels Tochter Simona verschafft uns (aus der Schweiz) durch Whatsapp gottseidank eine Liveübertragung des deutschen Spiels und wir erleben das Ausscheiden unseres Teams sozusagen aus 2.Hand.

Gefrustet brechen wir auf, um “Tree”, unseren Warmshowerhost in Flores zu treffen. Doch kaum sind wir 5 Minuten geradelt, verschwindet die Sonne und bedrohliche Regenwolken ziehen auf,

die uns dann auch einholen. Wir erleben unseren ersten richtigen, 30 minütigen, tropischen Regenguss. Zum Glück können wir uns unter eine Palapa retten.

Die Straße wird hier seitlich böse unterspült, die Enten stört es nicht, sie freuen sich über ihr temporäres Planschbecken.

Bevor wir Flores erreichen, müssen wir einen weiteren heftigen Regenschauer in einer Tankstelle überstehen. Mit Hotdogs – also halb so wild! Danach treffen wir Tree wie verabredet im Café Cool Beans und setzen mit einem kleinen Motorboot zu seinem Häuschen auf die Halbinsel im Hintergrund über.

Auf dem obigen Bild seht ihr die teilweise “versunkene” Uferpromenade von Flores. Wir erfahren, dass der Wasserspiegel des Lago Petén Itzá in den letzten Jahren derartig angestiegen ist!

Von unserer Unterkunft, die direkt am Seeufer liegt, haben wir einen prächtigen Ausblick auf Flores,

bewölkt,

oder abends 😉

So sieht unsere Uferpromenade aus:

Es gibt sogar Einkaufsmöglichkeiten, wir müssen nicht jedes mal nach Flores übersetzen. An diesen Anblick müssen wir uns ab jetzt gewöhnen, denn wie wir im Laufe unserer weiteren Reise feststellen, schauen fast alle kleinen Läden in Guatemala so aus … und sie bieten auch alle das gleiche Sortiment an. Es gibt sie an jeder Ecke. Oder auch mehrere nebeneinander. Oder versetzt gegenüber. Jedenfalls stets in der Nähe von Häusern. Auch in der kleinsten Siedlung!

Manchmal sind es wirklich kleine Tante Emma Lädchen, man bekommt Brot, Milchprodukte, Obst, Gemüse, Konserven, Getränke, Putzmittel etc. – oftmals haben sie allerdings nur Getränke (nicht immer gibt es Bier), Süßes und tonnenweise Chips im Angebot.

Tree hat sein Obergeschoss zum Preis des Gesamthauses (600 US$) an eine Amerikanerin vermietet, sie finanziert uns also quasi alle. Wir richten uns aufgrund der Hitze ohne Zelt auf seinem Balkon ein.

Am nächsten Tag besuchen wir das “Rescate de Animales” – ein Projekt, das verletzte Fund- oder vom Zoll beschlagnahmte Tiere aufpäppelt und so weit es möglich ist, wieder auswildert.

Neben Krokodilen, Pumas und Ozelots, sehen wir diesen Jaguar,


Spidermonkeys …

… und Aras bei der Fütterung.

Gleich außerhalb des Geländes begrüßen uns diese freilebenden Brüllaffen – aber aufgepasst …

… sie lassen regelmäßig “Fäkalienbömbchen” fallen!

Wir wären gerne noch ein bisschen bei Tree geblieben, aber leider fährt die Untermieterin nach Hause und unser Gastgeber hat keinen zahlenden Ersatz gefunden. Deshalb zieht er in 2 Tagen in ein kleineres Apartment um. Bleibt uns nur, weiter zu radeln … hey Tree, thanks so much for hosting us, it was a great and easy time, thanks for all your helpful information, it was a pleasure to meet you and always for some beers in Germany sometime 😉

Auf unserer weiteren Route durch den Urwald …

… begegnen wir dann doch noch einem freilaufendem Panther 🙂

In 4 Etappen wollen wir Cobán erreichen, mitten durch indigenes Mayagebiet. Es ist über 30° C heiß, wir gewinnen an Höhe. Die Landschaft ist geprägt durch die Subsistenzwirtschaft der Maya, seitlich der Straße Mais- und Gemüseanbau, grüner Dschungel, Täler, Hügel oder Mayasiedlungen. In einem Straßenrestaurant zeigen sie auf einem großen Flatscreen-TV (nur halb ausgepackt, wird er nach der WM vielleicht wieder zurück gegeben?) das Match Portugal gegen Uruguay. Wir essen eine Kleinigkeit und werden ausgiebigst von den Gästen begutachtet. Portugal scheidet aus, den Zuschauern hier gefällt das, niemand kann Ronaldo leiden. Wir schließen uns an. Gegen Abend erreichen wir den anvisierten Campingplatz, den wir über die App “iOverlander” gefunden haben. Er liegt sehr schön an einem kleinen Fluss, der vorher eine Höhle durchfließt. Da kühlen wir uns doch liebend gerne ab!

Zeltplatz

Nach Einbruch der Dunkelheit erfreuen uns tausende Glühwürmchen, einige quakende Frösche am Pool und die Riesenspinne in der Toilette, die brav in ihrem Netz an der Decke verweilt!

Wir kommen uns in Guatemala vor wie der Papst. Wir sind ständig nur am Winken und Grüßen, wenn wir durch Mayasiedlungen fahren. Das Leben der Menschen hier spielt sich hauptsächlich im Freien ab: zum Feld laufen, Ernte heim transportieren, schwere Bündel Feuerholz nach Hause tragen, Tortillas backen, Wäsche vor dem Haus oder im Fluss waschen, vor dem Haus sitzend den Verkehr beobachten …

Erreichen wir ein Dorf, dauert es nicht lange bis uns das erste Kind entdeckt und lauthals “Gringo” brüllt. Ratzfatz kommen alle anderen Kinder an die Straße geschossen und rufen uns ebenfalls “Gringo” hinterher … 

Die 3-8 jährigen schreien oft böse “Gringo oder Gringa”, winken uns dabei aber fröhlich lächelnd zu – echt süß! Wir sind oft wohl die ersten Fremden, die die Kinder zu Gesicht kriegen (der Normaltourist rast ja “gesichtslos” mit Auto oder Motorrad durch die Siedlungen). Michel wurde von einem 5-jährigen, schüchternen Jungen vor einem Laden leicht ins (helle & behaarte) Bein gezwickt … wie fühlt sich denn ein “Gringo” an?

Kurz vor unserem nächsten Campingplatz kommen wir durch eine indigene Siedlung und kaufen 4 Tütchen Wasser á 400ml. Während wir die Tüten in unsere große PET-Flasche umfüllen und mit unserem Umweltbewusstsein kämpfen, sind wir von kichernden Mayafrauen und -kindern umzingelt, die jeden unserer Handgriffe beobachten. Hier trinkt man Saft/Wasser oft aus diesen Portionstüten, mit Strohhalm. Wir fragen, wo die Abfalltonne ist und die Mädels zeigen lachend auf den Boden. Die Verpackung wird einfach achtlos weggeworfen.

Wir erreichen den Zeltplatz “El Refugio” und eine Indigena zeigt uns die Örtlichkeiten. Oberhalb des Flusses gibt’s 2 Pools, aber wir springen mitsamt den Radklamotten in den Fluss – herrlich!

Beim Zubereiten des Abendessens werden wir von Mama, Papa und dem 5-Jährigen Franklin schüchtern beobachtet. Claudia versucht ein Gespräch mit Franklin, dieser lernt bis zum Schuleintritt jedoch nur den lokalen Mayadialekt K’iche’, also bringt sie ihm Schnick-Schnack-Schnuck mit Gesten bei, er ist jedoch sehr zurückhaltend.

Zum Frühstück sind wir wieder zu fünft: die Mama hat uns extra 6 Maistortillas und eine Ananas gebracht, Franklin ist aufgetaut und schleppt lauter bitter schmeckende, kirschartige Früchte an. Natürlich müssen wir probieren und so tun, als ob es lecker ist – bäh!

Die letzte Etappe nach Cobán stellt uns auf eine echte Härteprobe: 1.384 Hm auf 45 km und gefühlte 15 Rampen mit über 20 % Steigung! Claudia schiebt hier öfter als ihr lieb ist, denn das ist eigentlich viel anstrengender als Radeln! Aber lieber schieben als umkippen. Michel, meine kleine Maschine, tritt bis auf eine Rampe alles hoch. Leider herrscht hier höllischer Verkehr und wir atmen Abgase ohne Ende ein!

Kurz vor Cobán schmiegen sich Kaffeeplantagen an die Hügel,

übrigens die ersten Kaffeesträucher, die wir live in unserem Leben sehen! Geerntet werden die Kaffeekirschen dann im November/Dezember, wenn sie eine rötliche Färbung angenommen haben.

Endlich haben wir Cobán erreicht – wir werden die nächsten 6 Tage in der quirligen, betriebsamen und hektischen Provinzhauptstadt mit ihren ca. 90.000 Einwohnern verbringen. Straßenstände und Märkte teilen sich die Straße mit dem motorisierten Verkehr.

Man erhält hier alles, was das Herz begehrt,

auch in kurios gemischten Geschäften.

Wir wohnen in einem coolen Hostel, das von der netten Madrilenin Virginia mit ihrem guatemaltekischen Mann Joel geführt wird – muchas gracias por toda la información y su ayuda, que les vaya bien!

Am 2. Tag laufen wir zur Hügelkirche “Capilla El Cavario”, von wo aus wir einen netten Ausblick auf Cobán haben.

Tags drauf sitzen wir um 5:00 Uhr früh im Collectivo nach Languin (40 Q), wo wir für die letzten 11km noch in einen Pickup (50Q) nach Semuc Champey umsteigen müssen. Wir haben Glück: wir dürfen im Cockpit sitzen und müssen nicht auf die Ladefläche!

Unser morgendlicher Blick über die guatemaltekischen Täler.

Durch eine grüne Hölle steigen wir zu einer Aussichtsplattform auf …

… und entdecken in all dem Grünzeug auch wieder etliche Tiere,

wie z.B. diese Brüllaffen.

Gleich sind wir am “Mirador”.

Blick auf die Pools

Vor diesen Wasserpools “verschwindet” der Rio Cahabón und taucht erst nach den Pools wieder an der Oberfläche auf.

“Semuc Champey” bedeutet im örtlichen Mayadialekt Kekchi (es gibt hier mehr als 30 verschiedene) “Ort, wo das Wasser unter der Erde verschwindet”.

Indigenas, die wie es aussieht, Schlamm sammeln???

kostenloses Peeling

Das Wasser hat hier ca. 26° C …

… und ist an einigen Stellen …

… auch richtig tief.

Nixenselfie (leider mit beschlagener Linse fotografiert)

Hier “erscheint” der Rio Cahabón wieder an der Oberfläche.

Waschen für die Großfamilie ist Frauensache.

Nach dem Planschen gibt’s Reis, Bohnen und natürlich Pollo.

Dann relaxen wir noch 2 Dauerregentage mit WM schauen, Homepage schreiben und Planung der nächsten Etappen im Hostel. Zum Abschluss wandern wir noch im stadtnahen “Parque Nacional Las Victorias”, der eigentlich aus einem großen (Kiefern-) Wald besteht …

… wir haben bloß alles andere fotografiert!

Riesenfarn

auf der Lauer

Im nächsten Blog berichten wir euch dann vom Lago Atitlán, den guatemaltekischen Vulkanen und einigem mehr, seid gespannt!

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10 Gedanken zu „Guatemala – 1

    1. Hallo ihr Schützis,
      Danke für die Blumen, uns hat Guatemala auch sehr gut gefallen (wir sind inzwischen ja schon fast wieder aus El Salvador raus ☺). Dann seid mal auf den nächsten Blog gespannt …. wir drücken euch feste und auch ganz federleichte Grüße an die Badmintinabteilung des FTM-Süd, eure ClauMichs

  1. ich kann nur sagen Wow……wieder einmalige Einblicke und Ausblicke in die südamerikanische Natur und das Tagesgeschehen…..auch ich drück Euch mal und sage: weiterhin toi, toi, toi….bis zum nächsten Mal…..Ursel
    PS: Hab gehört, der Michel wird nochmal Opa….Glückwunsch altes Haus !!!!!

  2. ich kann nur sagen Wow……wieder einmalige Einblicke und Ausblicke in die südamerikanische Natur und das Tagesgeschehen…..auch ich drück Euch mal und sage: weiterhin toi, toi, toi….bis zum nächsten Mal…..Ursel
    PS: Hab gehört, der Michel wird nochmal Opa….Glückwunsch altes Haus !!!!!

    1. Danke Manni
      Wir freuen uns immer wieder über positives Feedback. Das spornt uns an um den nächsten Blog anzugehen.
      LG auch an den HA
      Michel

  3. GUATEMALAAAAAA! Da muss ich natürlich besonders intensiv lesen. 29 Jahre ist es her, das ich dort war. Es hat sich anscheinend nichts 🙂 geändert….Freue mich schon auf die nächsten Berichte, v.a dem Lago Atitlán. Erinnere mich noch an eine halsbrecherische Busfahrt über irgend eine Gebirgskette, mit Unfall vor uns, der Bus ist den Abhang runter gekippt. Und die vielen Farben und das Grün und und und. Muss jetzt aufhören, bekomme schon wieder Fernweh.
    Gruß aus dem Büro und dem stinknormalen Alltag :-), seid gedrückt und genießt die Reise weiterhin
    Dani
    Hat eigentlich die “Radutensilienübergabe” mit meiner Schwester geklappt ?

    1. Hi Dani
      Eines kann ich dir versichern die Busfahrer fahren immer noch wie die Henker. Es ist unglaublich wie schnell man diese Fahrzeuge bergab und auch bergauf bewegen kann. Aber man muss sagen den Abstand zu uns Fahrradfahrern haben sie immer eingehalten. Wir drücken dich auch ganz fest aus der Ferne und danke für den Tipp mit der Britta. Wir haben die Ersatzteile zwar noch nicht aber sie sind bei unserem Host in San Jose in Costa Rica gelandet wo wir sie in ca. 2 Wochen abholen werden. 1000 Dank und glg
      Michel

  4. Hallo Claudia
    Hallo Michael
    Ich war jetzt 14 Tage ohne Internet Verbindung auf dem Himachal Highway unterwegs. Die Angehörigen sind zum Teil sehr besorgt gewesen obwohl ich natürlich vorher informiert hatte.
    Bei mir gibt es auch Berge, aber wenn schon den schon richtige Berge.
    Siehe auch separates E-Mail.
    Spannend von euch zu hören und weiter so. Grüsse Erwin.

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